Zwiegespräche mit Pflanzen sind manchmal gar nicht so erfreulich für mich, denn dabei bekomme ich auch jede Menge Unangenehmes auf die Ohren. Mein erster Versuch z.B. mit Ikebana vor fast 40 Jahren endete schon nach wenigen Minuten, da ich mich entsetzt weigerte, schreiende Blumen auf Metallnadeln aufzuspiessen. Im März dieses Jahres bekam ich wieder die Gelegenheit zu einem kostenlosen Schnupperkurs in dieser Disziplin – ich hätte es besser wissen können, aber ich ging hin, weil ich mit Möglichkeiten für natürlich vergehende Kunstwerke experimentieren wollte.
Mal davon abgesehen, dass ich es schon nicht ertrage, erst eine präzise SteckAnleitung von der Tafel abpinseln zu müssen; dass wir alle exakt das gleiche Gesteck anfertigen sollten; dass ausschliesslich Narzissen vom Design vorgesehen waren (was für eine un-japanische Idee! fand ich ) - da waren sie wieder, diese brutalen Nagelkissen. Ich hatte mir vorsichtshalber einen Steckschwamm mitgebracht und zog mir damit sofort die gesammelte Verachtung der beflissenen Eingeweihten zu.

UnterGang, Installation mit den Resten der BaumHexe, JeannieU, 2011
Aber da das Unglück nun mal geschehen war, ließ ich die Narzissen mit sorgfältiger Pflege ihren natürlichen Weg auf meinem Tisch zuende gehen – und hörte mir jeden Tag ihre giftigen Kommentare an. Ich begriff schliesslich: lebende Pflanzen gehören nicht in meine Wohnung oder meine KunstWerke. Ich esse sie mit Respekt und ich pflege Gärten; die sind der einzige Ort, wo meine PflanzenKunst – zu den Bedingungen dieser Lebewesen – Gestalt annehmen kann. Die halbtoten AusstellungsExponate, die ich da bei anderen Künstlern gesehen habe, wird es bei mir nicht geben.
Das ursprüngliche BeweisFoto für das missglückte Experiment habe ich inzwischen durch das von der Installation UnterGang ersetzt; es soll die Möglichkeit demonstrieren, dass Pflanzen und der Umgang mit ihnen sehr adequat mit lebloser Materie nachgestaltet werden können.